"Millionen stehen hinter mir" – Mythen über die Finanzierung der NSDAP und Hitlers Weg zur Macht
Prof. Dr. Daniel Koerfer

"Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen", hat Max Horkheimer bereits Ende der dreißiger Jahre im amerikanischen Exil formuliert und damit auf eine vermeintliche Kausalkette hingewiesen, die nicht nur für Linke im politischen Spektrum jener Zeit eine kaum zu widerlegende Tatsache darzustellen schien. Für sehr viele war Hitler damals nichts anderes als ein Büttel, ein Großknecht des Kapitals. Der Aufstieg von ihm und seiner Partei, der NSDAP, schien unzweifelhaft mit riesigen Spendensummen von deutschen Kapitalisten gekauft und bewerkstelligt, um mit Hilfe der braunen Partei und ihres massenwirksamen „Führers“ die kommunistische Bewegung ausschalten und die deutschen Arbeiter leichter ausbeuten zu können. Hatte sich nicht der deutsche Unternehmer Fritz Thyssen fast zeitgleich mit Horkheimer in einem in den USA erschienen Bestseller gebrüstet unter dem ebenso bezeichnenden wie programmatischen Titel: "I paid Hitler!"?
Doch tatsächlich verhielt es sich mit dem Aufstieg der NSDAP und ihres Führers und den dazu benötigten Finanzmitteln anders als die Legende behauptet – um diese heute noch für viele überraschenden Fakten wird es im Vortrag gehen. Wir werden in das Innenleben einer Partei hineinschauen, die chronisch unter Mittelknappheit litt, rigide auf Mitgliedsbeiträge und Abonnementszahlungen für ihre Zeitungen, insbesondere den "Völkischen Beobachter" drängte und die als einzige Partei in Deutschland für die Auftritte ihres Hauptredners Adolf Hitler Eintrittsgeld verlangte, um die klammen Kassen zu füllen. Erst als die Macht fast erreicht war, öffneten auch große Kapitalisten vermehrt ihre Spendenschatullen für Hitler – ohne allerdings wirklich den Einfluss auf ihn ausüben zu können, den sie sich von ihren Zuwendungen erhofften. Hitler nahm das Geld, aber eine Marionette des Kapitals wurde er nicht.